Dienstag, 15. Januar 2013

Kapitel 4

Isabella POV

Ich knie auf dem Holzboden und starre mit grauen in die Plastiktüte, die geöffnet vor mir steht. Mein Mund ist zu einem Schrei geöffnet, doch es kommt kein Ton hinaus.
Mein Körper fühlt sich Taub an und die Zeit scheint langsamer zu verlaufen. Ich sehe hinab auf meine Hände, die nutzlos in der Luft verharren.
An ihnen klebt sein Blut.
Dann wandert mein Blick zu der geöffneten Plastiktüte.
Ich sehe seinen kleinen geschundenen Körper. Leblos und voller Blut.
Ein Bild des Grauens.
Ich habe Schuldgefühle und gleichzeitig lodert weiterhin die Wut in mir.
Ich kann es nicht abstellen.
Das einzige das ich denke sind zwei kleine Worte. Immer und immer wieder.
Vergib mir...
Vergib mir...
Vergib mir...

Mit einem Ruck riss ich meine Augen auf und unterdrückte das Schluchzen, das sich seinen Weg nach draußen bahnen wollte. Ich schloss kurz meine Augen und atmete ruhig ein und aus, um mich zu beruhigen.
Ein leises grummeln erregte meine Aufmerksamkeit.
Neben mir oder besser, halb auf mir lag Edward. Er hatte meine Taille fest umschlungen und ein Bein über meine Oberschenkel gebettet. Sein Kopf war halb unter meinem Shirt vergraben. Ich konnte seine Lippen an meiner Brust fühlen.
Mein Herzschlag nahm unwillkürlich ein rasendes Tempo an.

„Ich will noch ein Eis, Mami...“, murmelte er ganz leise und rieb dabei seine Nase an meiner Brust. Ich musste mir fest auf die Lippe beißen, um nicht laut los zu lachen.
„Mehr ...mehr...Titte...“, okay was träumte er da? Von seiner Mutter und Brüsten und Eis?
Edward schwang sich plötzlich auf die andere Seite und streckte mir seinen nackten, wohlgeformten Hintern entgegen.
Mein Blick blieb einige Zeit an seinem Po hängen, bis ich mich von diesem Anblick losriss und mich vorsichtig von der Matratze aufrichtete. Ich wollte seine Träume nicht stören.
Ich fasste in meine Tasche und warf einen Blick auf meine Armbanduhr. Es war kurz nach sieben. Ich musste los.

Leise zog ich mich an und schrieb anschließend einen Zettel, den ich neben Edward legte. Ich beugte mich zum Schluss noch einmal über ihn und betrachtete sein schlafendes Gesicht. Er sah so friedlich und entspannt aus. Er wirkte beinah unschuldig.
Er war so schön.
Ich konnte nicht anderes und kam seinen Gesicht ganz nah. Nur zum Abschied....
Ich legte meine Lippen auf seine und das ganz sanft. Er schmeckte fantastisch. Ein wohliges brummen kam von Edward und ich erschrak fürchterlich.
Ich wich zurück und starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Er schmatzte kurz vor sich hin und leckte anschließend über seine Lippen. Dann breitete sich ein verschmitztes Lächeln über seine Lippen aus.
„Lecker....Isabella....mmmmmhhh...“, flüsterte er. Ich wurde rot und mein Herz schlug schneller.

Ich packte meinen Rucksack und stahl mich hinaus. Bevor ich die Tür hinter mir zu zog, hörte ich, wie Edward laut anfing zu schnarchen.
Ich musste kichern.
Mein Schultag verlief sehr ruhig. Niemand schenkte mir Beachtung, wofür ich sehr dankbar war. Nach dem Unterricht hielt Mr Varner mich auf und fragte mich, wieso ich gestern einfach gegangen war. Ich sagte ihm, dass es mir nicht gut ging und ich deshalb nicht mehr anwesend war. Er nahm meine Lüge einfach so hin und ermahnte mich nur darin, dass ich beim nächsten Mal Bescheid sagen solle.

Soweit war mein Tag ganz in Ordnung und ich freute mich auf meine Verabredung mit Edward. Ich konnte immer noch nicht glauben, dass er mit mir ausgehen wollte. Ich überlegte den ganzen Weg über, den ich nach Hause ging, ob ich etwas Brauchbares an Kleidung hatte, das man im entferntesten Sinne als vielleicht etwas Hübsch betrachten konnte.

Bis ich vor meinem Wohnhaus ankam.

Sie hatte mich gestern einfach ausgesperrt und ich wusste wirklich nicht, ob ich auf die Klingel drücken sollte oder nicht.
Meine Mutter nahm mir diese Endscheidung jedoch ab und das Summen der sich öffnenden Verriegelung erklang. Langsam ging ich die Treppen zu unserer Wohnung hinauf und wollte noch jeden Moment hinaus zögern, den ich ohne meine Mutter hatte. Doch irgendwann war ich da und musste in unsere Wohnung gehen. Die Tür war nur angelehnt.

Sobald ich eingetreten war und die Tür hinter mir in das Schloss fiel, traf mich auch schon die flache Hand meiner Mutter in mein Gesicht und ich stürzte von der Wucht ihrer Ohrfeige zu Boden.

„DU VERDAMMTE DRECKSNUTTE! DU ELENDES STÜCK DRECK! GEHST DU JETZT AUF DEN STRICH? ICH HAB GESEHN WIE DU GESTERN MIT DIESEM PENNER ABGEZOGEN BIST! EINE SCHANDE BIST DU!DU VERFLUCHTE SCHLAMPE HAST PÜNKTLICH NACH HAUSE ZU KOMMEN....“, brüllte Sie mir entgegen und unterstrich ihre Meinung, in dem Sie wild an meinen Haaren riss. Es tat weh und Tränen schossen mir vor Schmerz in die Augen.

Mit einem Ruck entzog ich ihr meine Haare und rannte in mein Zimmer. Mit Zitternden Fingern verschloss ich die Tür und lies mich gegen sie sinken.
Sie tobte noch weiter vor der Tür und trat sogar ein paar Mal dagegen.
Ich vergrub meine zitternden Finger in mein Haar und krallte mich fest.
Ich versuchte an etwas anderes zu denken solange Sie draußen tobte.

Edward, Edward, Edward, Edward....

Es half. Meine Finger entspannten sich kaum merklich und ich musste unwillkürlich an letzte Nacht denken. Er hatte mich festgehalten während ich meinen Aussetzer hatte. Er hatte mich nicht schief angesehen und mich als verrückt abgestempelt.

Mein Gesicht begann zu glühen als mir einfiel, was er noch mit mir gemacht hatte. Er hatte mich berührt...da unten. Er war so wundervoll zu mir gewesen. Er hatte mich sogar geküsst. Niemals hätte ich gedacht, dass mich jemand wie Edward auch nur küssen wollen würde.

Ich sah auf die Anzeige meines Weckers. Es war halb vier. Nur noch anderthalb Stunden.
Meine Mutter hatte mittlerweile aufgehört zu toben und war wahrscheinlich schon wider im Land der Träume.
Ich beschloss mich zu Duschen. Ich wollte heute wenigstens halbwegs gut aussehen.
Ich schloss vorsichtig meine Tür auf und schlich schnell ins Badezimmer.

Ich ließ das heiße Wasser über meinen Körper laufen und vergaß für ein paar, dass meine Mutter betrunken im Wohnzimmer lag. Ich dachte an Edward und fragte mich was er wohl heute Abend mit mir vor hatte. Er hatte ja schließlich kein Geld. Ich wollte auch gar nicht das er irgendwas, von dem bisschen das er besaß, für mich ausgab.
Ich schloss meine Augen und ließ das Wasser über mein Gesicht prasseln.
Was Edward jetzt wohl gerade tat...
Dachte er vielleicht an mich? Nein, sicher nicht.

Ich stöhnte frustriert auf und blickte finster auf den Kleiderhaufen der immer größer zu werden schien. Ich besaß einfach nichts was man zu so einer Gelegenheit tragen konnte. Ich hatte noch nie eine Verabredung. Ich wusste nicht was man anziehen sollte oder wie man sich verhält. Nach langem überlegen entschied ich mich für ein einfaches Kleid das mit ein wenig Spitze versehen war. Es war weiß und ich mochte es ganz gerne, auch wenn es nichts besonders war.

Als ich fertig angezogen war und mich selber im Spiegel betrachtete entschied ich, dass ich eigentlich ganz passabel aussah.
Bis mein Blick auf meine Arme viel.
Meine Arme waren von feinen und groben Narben übersät die ich mir selbst hinzugefügt hatte.
Zur Strafe.
Manche waren kaum zu sehen, andere hingegen hoben sich mit grausamer Brutalität von meiner blassen Haut ab  und zeigten mir aufs Neue wie zerstört ich war.
Eine Stetige Erinnerung an mein Zerstörtes Leben.

Ich schloss meine Augen und zwang mich wenigsten jetzt etwas Glück zu empfinden.
Gleich würde ich Edward wider sehen.
Auch ein schneller Blick zur Uhr verriet mir das es aller höchste zeit wurde. Also griff ich schnell nach einer blauen Strickjacke, zog Sie mir über.
Entschied dann aber doch, dass dies zu wenig sein würde und zog meinen alten Mantel drüber.

Ich hörte das Schnarchen meiner Mutter und verließ so leise wie nur möglich die Wohnung.
Draußen angekommen schlug mir eine Eises Kälte entgegen. Gestern war es zwar auch frisch gewesen aber das war ja viel schlimmer.
Armer Edward.
Er musste bei dieser grausamen Kälte draußen sitzen und hoffen, dass er nicht erfror.

Ich ging zum vereinbarten Treffpunkt und wartete.

Ich wartete lange und war mir schon sicher das er einfach nicht kommen würde, da er es sich sicher anderes überlegt hatte, als mich jemand von hinten antippte.
Ich erschrak fürchterlich und drehte mich augenblicklich um, nur um in Edwards Augen zu sehen.
Ich war mehr als nur  erleichtert, dass er doch gekommen war.

Doch dieses Gefühl verschwand als ich Registrierte das er verletzt war. Sein Linkes Auge war von einem fast schwarzen Bluterguss umgeben und sah am unteren Augenwinkel etwas blutig aus. Seine Lippe war aufgeplatzt und seine Nase  war ebenfalls von einer blutigen Kruste bedeckt. Er sah fürchterlich aus und musste sicher Schmerzen haben. Auch seine gekrümmte Haltung bereitete mir sorgen. Bevor ich jedoch etwas sagen konnte legte er mir seine Lippen auf die meinen und gab mir einen sanften Kuss.
Dann legte er mir eine Hand an die Wange und sah mich eindringlich an.

„Es tut mir leid, dass ich meinen Arsch erst jetzt her bekommen habe. Das wird nicht noch mal vorkommen. Und frag mich nicht welcher Wichser für meine blutende Fresse verantwortlich ist! Okay?“

Ich brachte nicht mehr als ein Nicken zu stande.

Er lehnte dich näher zu mir und begann mir mit rauchiger Stimme in mein Ohr zu flüstern. „Gut denn wir beide werden uns einen Arschgeilen Abend machen und es ordentlich krachen lassen. Und später will ich mit dir in das Hotel drei Blocks weiter, Isabella“

Oh Gott...